Nico Hofmann als CEO

Vorkämpfer für mehr Freiräume und Vielfalt

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ico Hofmann war mit Gründung der UFA-Tochter teamWorx im Jahr 1998 vom Regisseur zum Produzenten geworden. Ab 2013 leitete er die aus teamWorx, Phoenix Film und UFA Fernsehproduktion fusionierte UFA Fiction. 2015 stieg er in die Holding der UFA-Gruppe auf – erst als Co-CEO an der Seite von Wolf Bauer, ab 2017 als alleiniger CEO. Mit den neuen Management-Aufgaben ging ein erneuter Rollenwechsel einher.

Nico Hofmann Co-CEO UFA 2015
während der Hochschulzeit in München
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ico Hofmann war aufgrund seiner jahrzehntelangen Tätigkeit als Regisseur und Produzent davon überzeugt, dass der wirtschaftliche Erfolg der UFA ganz zentral von der Qualität des produzierten Programms abhängt, und damit die Kreativität aller Mitarbeitenden zur wichtigsten Ressource eines großen und breit diversifizierten Medienunternehmens wird. Denn nur hochmotivierte, leidenschaftliche und kreative Mitarbeitende, die genügend Freiräume, ein positives Arbeitsumfeld und ehrliche Wertschätzung erfahren, bleiben bei der UFA oder kommen zu ihr, um attraktive Inhalte und erfolgreiche Formate für Kino, TV und Streamingdienste zu entwickeln.

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ein Credo: Ein so großes Unternehmen wie die UFA bildet selbst in seiner Zusammensetzung wie ein Spiegel die Gesellschaft ab – mit all ihren Strömungen, Widersprüchen, Bewegungen, Konflikten und neuen Trends. Nur wenn diese Vielfalt in einem kreativen Unternehmen gleichberechtigt zum Ausdruck kommt, kann es aus diesem reichen Fundus die Geschichten schöpfen, die gesellschaftlich relevant und interessant genug sind, um ein Millionenpublikum zu begeistern.

Nico Hofmann (Co-CEO) und Wolf Bauer (CEO) 2015
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m diese Vielfalt im eigenen Unternehmen zum Funkeln zu bringen, mussten auch Führungsstrukturen aufgebrochen werden, um Frauen gleichberechtigt an der Führung zu beteiligen und um Diversität (Gender, LGBTIQ*, People of Color und Menschen mit Beeinträchtigungen) sicht- und hörbar zu machen. Dabei ging es Hofmann nie nur um die Einhaltung von Quoten oder neuer bürokratischer Regeln, sondern darum, dass es nicht sein kann, dass verkrustete Strukturen Talente fernhalten. Hofmann förderte eine progressivere Haltung des Unternehmens, damit es von der kulturellen Bereicherung und vom Potenzial neuer Narrative profitieren konnte. Nico Hofmann interessiert darüber hinaus vor allem auch die Wirkung auf die Gesellschaft: Welche Signalwirkung kann die verstärkte Repräsentation queerer Themen und das Durchbrechen von Stereotypen in den Medien auslösen? Führt das tatsächlich auch zu mehr Akzeptanz und Chancengleichheit in der Demokratie?

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it dem internen Kulturwandel bei der UFA verfolgte Hofmann aber noch ein weiteres unternehmensstrategisches Ziel: die partnerschaftliche Vernetzung wurde immer wichtiger im Zusammenspiel mit dem Stakeholder FremantleMedia und im Rahmen der konzernübergreifenden Content Alliance des Mutterkonzerns Bertelsmann mit den Schwestern RTL, Gruner + Jahr, BMG und Penguin Random House, in der der UFA als Bewegtbildproduzent für alle analogen und digitalen Kanäle eine wichtige Rolle zufiel.

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ls Nico Hofmann 2015 Verantwortung bei der UFA übernahm, stand er – wie Bertelsmann und alle anderen Medienkonzerne – vor einer großen strategischen Herausforderung: Im Verlauf dieser Jahre veränderte sich die Content-Landschaft sowie das Nutzungsverhalten der User rapide. Das Wachstum der digitalen Plattformen und Streaming-Dienste führte einerseits zu einer – für die Entwicklung der UFA sehr positiven – Nachfrage nach Inhalten hoher Qualität, erforderte aber andererseits gleichzeitig ein radikales Umdenken. Die gewohnte Linearität des traditionellen TV-Konsums brach auf und wurde zunehmend von den vielfältigen digitalen Formaten und Ausspielmöglichkeiten über verschiedene elektronische Plattformen ergänzt. Die UFA musste nun immer mehr Inhalte für immer mehr Screens produzieren. Die Gleichzeitigkeit von immer vielfältigeren Abspielflächen und die rapide Beschleunigung durch die Digitalisierung wurden für viele traditionelle Produzenten zum Problem. Die immer kürzeren Aufmerksamkeitsspannen, die hektische Kurzatmigkeit und Unduldsamkeit vor allem der ganz jungen User setzte die Kreativen weltweit unter Druck: Wie verändern sich Erzählstrukturen? Wie schafft man es, dass sich die Konsumenten auch einmal in Ruhe auf einen komplexen Stoff einlassen, anstatt Videos schon nach 15 Sekunden wegzuwischen?

Nico Hofmann (CEO UFA), Frank Walter Steinmeier und Elke Büdenbender
bei der Feier zu 100 Jahre UFA 2017
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ittlerweile erlebt der internationale TV-Markt im Jahre 2024 nach dem stürmischen Wachstum der Streaming-Dienste weltweit eine Phase der Konsolidierung und Kostendisziplin, was die Content-Produzenten wiederum vor ganz andere Herausforderungen stellt. Aber der Prognose, dass diese Plattformen alles verdrängen und ein Quasimonopol auf Inhalte erobern würden, hat Nico Hofmann in den letzten Jahren immer vehement widersprochen – und im Rückblick damit Recht behalten. Er registrierte schon früh in der engen Zusammenarbeit der UFA mit privaten und öffentlich-rechtlichen TV-Sendern, dass diese in ihrem Transformationsprozess ebenfalls hervorragende digitale Fähigkeiten entwickelt haben. So wird sich der TV-Markt der Zukunft nicht zu einem Spielfeld weniger Monopolisten entwickeln, sondern eher zu einem vielfältigen Ökosystem, in dem neben den amerikanischen Digitalplattformen auch Telekommunikationsanbieter, Privatsender und öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten ihren Platz behalten. In diesem vielfältigen Ökosystem werden nationale Sender und globale digitale Plattformunternehmen koexistieren. Während sich nationale Sender auf lokale Qualitätsinhalte konzentrieren können, die sich gut internationalisieren lassen, bieten digitale Plattformunternehmen globale Produktionen und Blockbuster an. Die Zuschauer können wählen, ob sie lineare oder nicht-lineare Inhalte aus globalen oder nationalen Quellen sehen wollen. Wichtigste Nachricht für Nico Hofmann bleibt die Tatsache: Egal wie sich die Gewichte noch verschieben werden, dieses Ökosystem garantiert einen großen Reichtum an Inhalten. Content bleibt King, denn im Zeitalter der zunehmenden Konvergenz werden hochwertige Inhalte zum wichtigsten Unterscheidungsmerkmal, während Technologien wie digitale Verbreitungswege, Künstliche Intelligenz, Suche und Empfehlungen im Wettbewerb der Konzerne immer mehr zu Commodities werden.

Nico Hofmann 2017 – © Foto: Patrick Desbrosses
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eben der Transformation des Unternehmens und dem Kulturwandel war der dritte Schwerpunkt auf der CEO-Agenda von Nico Hofmann die Produktion sehr erfolgreicher Programme. Unter seiner Verantwortung entstanden bei der UFA international erfolgreiche TV-Serien wie DEUTSCHLAND 83 (2015), KU’DAMM (2016) und CHARITÉ (2017) sowie der Kino-Kassenschlager DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT (2018).

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achdem Nico Hofmann erfolgreich den Kulturwandel, die Transformation und den Generationswechsel bei der UFA eingeleitet hatte, legte er die Verantwortung für das Unternehmen in die Hände des neuen CEOs Sascha Schwingel und nahm im Februar 2024 nach 25jähriger Tätigkeit Abschied von der UFA, um seinen lang geplanten Neubeginn als kreativer und selbstständiger Produzent in die Tat umzusetzen.