Heute hat die BILD-Zeitung die Schlagzeile: „Iris Berbens Hilferuf“ und spitzt damit ein sehr differenziertes Interview der großen Schauspielerin in der aktuellen ZEIT zu. In das zu erwartende dröhnende Schweigen der linken Kulturszene möchte ich hineinrufen: „Iris hat recht!“
Sie sagt: „Kultur und Kunst sollten ein Schutzraum sein fürs Experimente wagen, auch für Ungehorsam. Jetzt diskutieren wir ständig andere Sachen, zum Beispiel kulturelle Aneignung, also Schwule sollen nur noch von Schwulen gespielt werden. Das empfinde ich als völlig kontraproduktiv für meinen Beruf. Schauspieler sollen sich doch in andere Figuren hineinversetzen.“ Ich habe mich als Produzent schon sehr früh für mehr Diversität vor und hinter der Kamera eingesetzt. Und es macht oft Sinn, queere Rollen mit queeren Schauspielern zu besetzen, weil sie ihre persönlichen Diskriminierungserfahrungen einbringen können. Aber daraus im Umkehrschluss in Richtlinien zu zementieren, dass nur noch schwule Schauspieler schwule Rollen spielen dürfen, ist eine sehr deutsche Pointe und der Tod jeder Kreativität.
Iris Berben kritisiert zu Recht die Irrwege der linken Identitätspolitik. Dies führt sie direkt zum wuchernden Antisemitismus in der linken Kulturszene: „Die Haltung der linken Szene gegenüber Israel und den Juden war schon immer ein böser Stachel in meinem linksliberalen Herzen. Schon früher tummelten sich in dieser Szene eine Menge Antisemiten.“ Das macht Iris Berben ratlos, aber der Zusammenhang zwischen linker Identitätspolitik und Antisemitismus liegt seit den späten 60er Jahren auf der Hand. Die progressive Ideologie kommt seitdem immer als Paket daher, in der der Antisemitismus ein gefährliches Amalgam mit dem Antikolonialismus eingeht. Schon Bernd Eichinger hat 2008 den „Baader-Meinhof-Komplex“ von Stefan Aust verfilmt und dabei den eliminatorischen Antisemitismus des mörderischen Linksterrorismus herausgearbeitet, der auch 1972 bei dem Attentat auf die Olympischen Spiele das Hauptmotiv war – Wir haben das 2012 im Fernsehfilm „München 72 – Das Attentat“ gezeigt.
Seitdem scheint für manchen jungen Menschen, der sich ein progressives Weltbild zulegen will, der Antisemitismus ein Teil seines revolutionären Pflichtenheftes. Dabei wird das tatsächliche Leid der Palästinenser wie ein Schutzschild für die antisemitischen Debatte benutzt. Das ist aber kein Ausdruck von Mut, sondern zeigt vielmehr den ungeheuren Konformitätsdruck in der jungen Generation, dem sich auch viele im Kern unpolitische Kreative in der Film- und TV-Industrie unhinterfragt unterwerfen. Aber die einzige Demokratie im Nahen Osten braucht unsere Belehrungen nicht. Dort protestiert bereits eine starke Zivilgesellschaft gegen die Politik des Ministerpräsidenten Netanjahu – laut und phantasievoll. Diese Streitlust und Leidenschaft wünsche ich mir manchmal für unsere verschlafene, mutlose Demokratie. Wer heute mutig sein will, steht wie Iris Berben an der Seite Israels.










