6. Juli 2026

Swan Song

Foto: © Imago / Capital Pictures

THE SPOT media & film hat mich gefragt, welcher queere Film mich zuletzt tief berührt hat. Meine Antwort: SWAN SONG von Todd Stephens. In einer seiner seltenen Hauptrollen glänzt hier Udo Kier, der erfolgreichste Nebendarsteller Hollywoods, als queere Ikone auf seiner letzten melancholischen Lebensreise. SWAN SONG ist ein wunderschönes Alterswerk, ein letzter Schwanengesang auf den großen Udo Kier, der im November 2025 leider verstorben ist.

Udo Kier spielt den gealterten Friseur Pat Pitsenbarger, der in einem Altersheim nach einem Schlaganfall ein freudloses Leben fristet. Dann erhält er den Auftrag, der Leiche seiner verstorbenen Ex-Kundin, der republikanischen Society-Lady Rita Parker Sloan (Linda Evans), Make Up und Haare für die Beerdigung zu machen. Er packt seine wenigen Sachen und macht sich auf den Weg durch seine Kleinstadt. Ein Spaziergang, der zur Revue seines abgelaufenen Lebens wird. Er genießt es, in einem limettengrünen Hosenanzug, High Heels, Sonnenbrille, einem verwegen schräg aufgesetzten Hut und einer glimmenden „More“-Zigarette zwischen den Lippen in einem elektrischen Rollstuhl den Verkehr aufzuhalten oder sich bei seinem herrlichen Drag-Auftritt einen Kronleuchter aufzusetzen. Hier, in dieser Schwulenbar begann er vor Jahrzehnten als Drag-Performer und Vorkämpfer gegen die Homophobie. Jetzt setzt Udo Kier im Rückblick mit campen Humor und mit vielen schmerzvollen Blicken seiner melancholischen Augen auf die untergegangene schwule Subkultur und auf die an AIDS verstorbenen Freunde, sich selbst und der queeren Selbstbehauptung ein monumentales Denkmal.

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