18. Juli 2026

Premiere in Worms

Foto: Anna Pfefferlein

D​​​​ie Premiere der „Hunnenkönigin“ wurde gestern vom Publikum mit großem Applaus gefeiert. Die neue Inszenierung der Nibelungen Festspiele Worms ist bereits für alle Vorstellungen ausverkauft.

Es gehört zum Kern der Nibelungen-Festspiele, dass der künstlerische Leiter Thomas Laue und ich als Intendant das mittelalterliche Epos immer wieder neu und aus einer besonderen und aktuellen Perspektive heraus erzählen wollen. Diesmal verfolgten wir mit der Verpflichtung der britischen Theatercompagnie Les Enfants Terribles (Buch Oliver Lansley, Regie gemeinsam mit James Seager) die weitere Internationalisierung der Festspiele und experimentierten einmal mehr mit den Formaten. Mit einem großen Genre-Mix aus Schauspiel, Tanz, Musik und Puppenspiel gehen wir gemeinsam mit der Compagnie theatral noch einmal neue Wege und sorgen für ein mitreißendes Spektakel. Der Theaterabend hat diesmal sogar einen veritablen Soundtrack: Die Band rund um Sängerin Alice Merton liefert das, was die Sage und die Kulisse des gewaltigen Doms brauchen: große Phantasie aber auch ein wenig Pathos mit Songs wie „The river is a bloodstream“. Die beiden Regisseure folgen dabei einer englischen Theatertradition und einem Referenzsystem, das sich eher an literarischen und filmischen Einflüssen wie „Der Herr der Ringe“ oder „Game of Thrones“ orientiert.

Gleichzeitig verstehen wir die neue Inszenierung auch als bewusst kalkulierte politische Intervention in die Gegenwart. In der Nibelungen-Geschichte sind die großen universellen Themen unserer Zeit angelegt: Die Fragen nach Krieg und Frieden, nach Macht und Tyrannei. Mit Kriemhild zeigen wir den hoch aktuellen feministischen Kampf einer Frau, die sich aus einer Abhängigkeit befreit und sich aufmacht, eine der mächtigsten Frauen Europas zu werden. Dabei klagt sie eine Männerwelt an, die Kriege feiert und ihre Folgen den Frauen überlässt: „Ich habe es satt, mir vorschreiben zu lassen, was ich fühlen soll. Von Männern, für die die Welt nur ein Schachbrett ist, auf dem sie Figuren opfern, wie sie Lust haben.“ Aus der trauernden Witwe wird Schritt für Schritt eine rachedurstige Frau, die selbst Macht beansprucht. Die großartige Schauspielerin Maria Drăguş zeigt sie dabei als zutiefst verletzten Menschen.

Der vielleicht politischste Teil des Abends gehört Etzel. Seine Gedanken über Frieden und Abschreckung wirken wie direkt aus der Gegenwart gegriffen. „Die Leute glauben, Frieden sei die Abwesenheit von Krieg“, sagt der Hunnenkönig. „Aber das stimmt nicht. Frieden ist die Erinnerung an Krieg. Sobald sie verblasst, beginnt der Kreislauf von Neuem.“ Dieses Ringen um Krieg und Frieden in dem Stück machte auch den Premierengast und Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius nachdenklich. Er sagte in der Pause zur Deutschen Presse-Agentur: „Das ist genau die Situation, in der wir heute leben. Wir müssen wehrhaft sein und wissen, dass der Frieden brüchig werden kann, wenn wir nicht bereit sind, ihn zu schützen.“

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