Das Jahr 2026 entscheidet über die Zukunft unserer Demokratie. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September könnte die AfD stärkste Kraft werden und erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik eine absolute Mehrheit in einem Landtag und damit den Ministerpräsidenten stellen. Eine AfD‑geführte Landesregierung würde nicht nur die Migrations- und Integrationspolitik stark verändern, sondern auch mit einer nationalistischen Kultur- und Medienpolitik die gesellschaftliche Spaltung weiter vorantreiben. Die AfD will den Druck und die Willkür in der Kultur- und Medienpolitik erhöhen und die Förderung von Kunst und Kultur drastisch neu ausrichten. Die Kunstfreiheit, Erinnerungskultur und die pluralistische Zivilgesellschaft sind eklatant bedroht.
Im Wahlprogramm fordert die AfD auch für TV‑ und Filmproduktionen eine deutlich „patriotisch“ ausgerichtete Förderlandschaft. Radikale und problematisierende Stoffe würden dann als „antideutsch“ verhindert werden. Für Produktionsfirmen bedeutet das: Die Planbarkeit von Förderung sinkt, und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Förderentscheidungen nur noch politisch ideologisch begründet werden. Nachwuchsregisseurinnen und Autoren hätten deutlich weniger Räume, in denen riskante Stoffe möglich sind. Diese AfD-Politik der Willkür wird viele Kreative massiv einschüchtern. Das führt zu einer Selbstzensur, weil man dann gar keine Projekte mehr vorschlägt, die politisch unerwünscht sein könnten. Damit werden die Räume für kritische, pluralistische, diverse und konfliktaffine Stoffe stark eingeengt.
Das Wahlergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wird – wenn es sich nicht noch verhindern lässt – zu einem Aufschrei der Zivilgesellschaft und zu massenhaften Demonstrationen führen. Als Mitglied des Kuratoriums der Hertie-Stiftung weiß ich, wie in dieser aktuellen Lage Stiftungen zu Akteuren demokratischer Resilienz werden können. Die Hertie-Stiftung arbeitet schon lange zum Thema „Demokratie stärken“. So steuert sie das Förderprogramm „MITWIRKEN für gelebte Demokratie“, das Projekte zur Stärkung von Dialog, Partizipation, Vielfalt, Transparenz und Teilhabe unterstützt. Dieses kleine Beispiel macht Mut. Das Gebot der Stunde lautet: Vernetzen! Die zahlreichen Stiftungen, die sich schon seit einiger Zeit auf die Stärkung demokratischer Kultur und auf die Abwehr antidemokratischer Haltungen konzentrieren, müssen jetzt ihre Anstrengungen vervielfachen und nachhaltig verstetigen.
Aber das bedeutet auch: Stiftungen müssen ihre vornehme Zurückhaltung aufgeben und mutiger werden. Sie haben die Infrastruktur und die Legitimität, gemeinsam mit einem Netzwerk von unabhängigen Institutionen, Medien und NGOs die neue Landesregierung unter ein permanentes Demokratie-Monitoring zu stellen. Wir müssen gemeinsam einen Demokratie-Watchdog aufbauen, der jeglichen Übergriff in Sachsen-Anhalt auf Vielfalt, Diversität und Kunstfreiheit registriert und öffentlichkeitswirksam anprangert. Seid wachsam.










