Sein Name bürgt für Qualität:
Nico Hofmann zu Gast beim „RNZ-Forum Heidelberger Gespräche“.
Von Volker Oesterreich, Rhein-Neckar-Zeitung vom 14. Januar 2026
„Der Stoff muss immer größer sein als die Wirklichkeit.“ Für Nico Hofmann, den wohl erfolgreichsten Produzenten Deutschlands, ist diese Regel das A und O des Filmgeschäfts. „Ich erkenne schon nach fünf Minuten, ob ein Skript etwas taugt“, sagt der Insider der Branche, der auf bislang rund 500 Produktionen zurückblicken kann, auf der Bühne des Alten Saals im Heidelberger Theater.
Dorthin hatte ihn Chefredakteur Klaus Welzel zum „RNZ-Forum Heidelberger Gespräche“ eingeladen – zur Freude des Publikums auf den voll besetzten Reihen. Im flotten Wortwechsel beweisen die beiden Diskutanten, dass Esprit und Entertainment notwendige Ingredienzien eines gelungenen Abends sind.
Der Name des Ende 1959 in Heidelberg geborenen Regisseurs und Produzenten gilt längst als Qualitätssiegel für anspruchsvolle, hintergründige und dennoch unterhaltende Fernseh-Formate. Gerne dürfen’s auch Mehrteiler sein wie bei bei der hochgelobten Trilogie „Unsere Väter, unsere Mütter“, bei „Der Flucht“, der halbfiktionalen Klinik-Chronik „Charité“ oder ganz aktuell bei der feministisch grundierten Tanzschulen-Saga „Ku’damm 77“. Während Hofmann am Montagabend auf der Bühne saß, lief im ZDF gerade eine weitere Folge. „Drei bis sechs Millionen schalten jeweils ein“, erklärt der Produzent, für den die Quote zwar nicht allein selig machend ist, aber dennoch sei sie wichtig. Auch für die öffentlich-rechtlichen Sender.
Klaus Welzels Tour d’Horizon über Nico Hofmanns Künstlervita beginnt bei dessen Elternhaus in Mannheim. „Der Journalistenhaushalt war geprägt von viel Arbeit, auch abends und an Wochenenden.“ Dabei sei ihm in Fleisch und Blut übergegangen, „wie wichtig gute Geschichten und gründliche Recherche sind“. Nico Hofmanns Vater arbeitete als Politik-Redakteur bei der „Rheinpfalz“, die den bekennenden Willy-Brandt-Anhänger als Korrespondenten nach Bonn schickte, wo er auf Helmut Kohl traf, den CDU-Großmogul, den Hofmanns inzwischen verstorbener Vater „als eindrucksvolle Persönlichkeit“ kennengelernt hatte.
Die heute 94-jährige Mutter des Produzenten war Wirtschaftsredakteurin bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ – als erste Frau in diesem Ressort. „Das waren noch die Bleisatz-Zeiten“, erklärt Hofmann, „beim Abendessen wurde immer über die aktuellen Themen, die Andruckzeiten und den jeweiligen Recherchestand diskutiert“ – Voraussetzungen, die auch im Filmgeschäft essenziell sind. „Gründliche Vorbereitung und hohe Arbeitsintensität gehören dazu.“
Die Gespräche mit der Elterngeneration über die NS-Zeit und der prägende Einfluss durch die amerikanische Serie „Holocaust“ über die Gräueltaten in den Konzentrationslagern bildeten die Voraussetzung für Hofmanns intensive filmische Auseinandersetzung mit der Historie. Hinz kam seine Theaterleidenschaft, die während der 1970er Jahre im Nationaltheater Mannheim während der Ära Jürgen Bosses und in dem damals von Peter Stoltzenberg geleiteten Heidelberger Theater geweckt wurde. An beiden Adressen erlebte Hofmann, „was gute Schauspielkunst und gute Regie erreichen können“. Stoltzenberg war es auch, der ihm ein Praktikum bei der Münchener Regie-Legende Dieter Dorn vermittelt hatte. Damit hatte er schon in jungen Jahren den Sprung hinter die Kulissen der Theater-Bundesliga geschafft.
Auch für die Affinität zum Film war Nico Hofmanns Elternhaus verantwortlich: „Mein Vater war Pressechef der Mannheimer Filmwoche. Das war damals ein A-Festival – und es war ein Fenster zum Osten. So kam es, dass bei uns zu Hause Größen wie Miloš Forman und Krzysztof Zanussi am Tisch saßen.“ Durch diese Erfahrungen wurden die Weichen gestellt, dabei sollte Hofmann eigentlich Jurist werden, „das wollte meine Mutter so“, aber dann trat er zunächst doch in deren Fußstapfen, indem er mit einem Zeitungsvolontariat in Mannheim begann. Danach rasch der Wechsel zur Filmhochschule-München, einer echten Elite-Schmiede. Zunächst in die Spielfilm-Abteilung, dann zum Dokumentarfilm, der ihn mehr begeisterte, „nicht zuletzt wegen der Begegnung mit Leuten wie Georg Stefan Troller oder Peter Turrini.“
Nach etlichen Jahren als Regisseur folgte der „logische Schritt“ zur Produktion. Von Bernd Eichinger oder Dieter Wedel – seinem Vorgänger als Intendant der Nibelungenfestspiele Worms – hat er sich so manchen filmkünstlerischen Kniff abgeschaut. Mit Letzterem war er gut befreundet. Umso mehr hat Nico Hofmann die Missbrauchs-Praxis Wedels entsetzt. Er vergleicht den Fall mit dem Hollywood-Skandal um Harvey Weinstein, den Hofmann ebenfalls kennengelernt hat. „Ich weiß nicht, weshalb diese Leute ihre Machtbesessenheit so pervertiert haben?“ Gleichwohl hat auch Hofmann miterlebt, „wie weit manche zu gehen bereit sind. Männer wie Frauen. Das ist erschütternd.“
Als Dozent an der Filmhochschule Baden-Württemberg erlebt er jetzt aber eine junge, selbstbewusste Generation. Sie sei „knallhart“, und das mache Mut für die Zukunft. Schon fällt nach 90 Minuten die Filmklappe für einen kurzweiligen Abend, der mit gebührendem Applaus belohnt wird.





